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Juli 2007: Nasse Zeiten

Nur gut faustgroß: der Zwergtaucher, hier im Schlichtkleid. STELZERfoto

Nachdem wochenlang ob des regnerischen und kühlen Wetters kein einziger Zwergtaucher zu sehen war, überschlugen sich im Juli die Ereignisse: Am Großen Schönungsteich an der Niederheide waren am 10. Juli zwei bereits recht große Zwergtaucher-Junge mit ihren Eltern nahe der zugewachsenen Landzunge beim Tauchen zu beobachten. Auf dem kleineren Nachbarteich gegenüber der Biologischen Station wurden zwei deutlich kleinere Junge noch auf dem Rücken transportiert. Kurze Zeit später waren auch sie in der Lage, hinter den Eltern her zu schwimmen.

 

Am 20. Juli schwammen zwei weitere ca. 4 Wochen alte Zwergtaucher auf dem zentral gelegenen, schwer einsehbaren Teich 8a (s. Gewässerkarte). Auch der Nachbarteich 8b beherbergt ein brutverdächtiges Zwergtaucher-Revier. Und am Gewässer 9 südlich der hohen Pappelreihe unter der Hochspannungsleitung suchten 3 weitere Zwergtaucher-Junge nach Nahrung, die im Wesentlichen aus Insekten und anderen kleinen Wassertieren sowie kleinen Fischchen besteht.

 

Reiherenten-Paar. Die Jungenaufzucht ist allerdings Sache der Weibchen (rechts). Foto: Walter

Die ersten Reiherenten zeigten sich ebenfalls am 20. Juli mit Nachwuchs auf Teich 8a: Zwei Reiherenten-Weibchen führten dort 4 bzw. 6 Junge. Die erst im vergangenen Jahrhundert aus Nord- und Osteuropa bei uns eingewanderte Reiherente brütet vergleichsweise spät, die Jungen erscheinen erst ab Juni (bei Nachgelegen entsprechend später), wenn viele Mückenlarven ein gutes Nahrungsangebot garantieren. Die Art bevorzugt nämlich tierische Nahrung, nach der sie ausgiebig taucht. Sie gehört also zur Gruppe der Tauchenten (im Gegensatz zu den Gründelenten, zu denen z.B. die Stockenten gehören); auch die kleinen Entenküken tauchen bereits gut. Mehrere Weibchen können ihre Jungen zu gemischten Gruppen (Schofen) zusammen legen.

 

Watvögel sind im Juli eher selten in den Rieselfeldern anzutreffen. Immerhin kann man einzelne Waldwasserläufer und Bekassinen z.B. am Gewässer 11 beobachten - beide Arten rasten regelmäßig im Gebiet.

 

Weibliches Granatauge: Die Namen gebende Augenfarbe ist nur beim Männchen sehr auffällig.
Foto: Schleef


Der nasse Sommer ist für viele Insekten recht ungünstig; dennoch fanden die Mitarbeiter der Biologischen Station als bemerkenswerte Libellenarten erneut zahlreiche Kleine Granataugen auf den Wasserpflanzen sowie eine Kleine Pechlibelle. Das Kleine Granatauge ist ursprünglich eine mediterrane Art, die sich seit Jahren wohl aus klimatischen Gründen bei uns ausbreitet. Die Kleine Pechlibelle ist mit 25 bis 30 mm Körperlänge unsere kleinste Libellenart und bevorzugt neu entstandene, vegetationsarme Tümpel oder Überschwemmungsgewässer, die in unserer Landschaft selten geworden sind. Die Anlage solcher Gewässer als Naturschutzmaßnahme - wie in den Rieselfeldern - hilft dieser gefährdeten Art.

 

Haubentaucher im Prachtkleid.
STELZERfoto

Eine Routine-Kontrolle am 23. Juli erbrachte am Großen Schönungsteich eine Überraschung: Dort schwammen zwei erwachsene Haubentaucher mit zwei frisch ausgebrüteten Jungen auf dem Rücken. Die beiden noch unausgefärbten Jungen aus dem ersten Gelege schwammen abseits der Eltern, kamen also bereits alleine zurecht. Zweitbruten kommen bei Haubentauchern nur bei 5 bis 10% der Population vor, sind also eher selten. Bei einer Brutdauer von rund 4 Wochen wurde das Zweitgelege offenbar begonnen, als die erstgeborene Generation noch geführt wurde (sog. Schachtelbrut).

 

Noch fast nackt: Küken der Schleiereule, ca. eine Woche alt.
Foto: Albrecht


Und schließlich ist eine weitere ungewöhnliche Zweitbrut zu vermelden: Unsere „Haus-Schleiereulen“, die im Stationsgebäude in einem Nistkasten im Frühjahr 6 Jungvögel aufgezogen haben, sind in den Nistkasten des Südgiebels eingezogen und brüten dort erneut. Am 24. Juli schlüpfte schon das dritte Junge, und noch weitere 4 werden in zweitägigem Abstand folgen. Zweitbruten kommen bei Schleiereulen nur in sehr guten Mäusejahren („Gradationsjahre“) vor; dann allerdings bei bis zu zwei Dritteln aller Paare. In Mangeljahren („Latenzjahre“) dagegen kann die Brut auch ganz ausfallen. Solche Massenentwicklungen (Gradationen) gibt es vor allem bei Wühlmausarten, insbesondere der Feldmaus. In den Rieselfeldern ist in diesem Jahr aber auch die Erdmaus eine häufige Beute.

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