Title: 20.10.2007: Durchzügler

Tagebuch

20.10.2007: Durchzügler und Wintergäste

Und noch ein schöner Zugtag mit bester Sicht und beeindruckendem Zug von Großvögeln über den Rieselfeldern!

 

Die frostigen Temperaturen haben die nordischen Gänse und Kraniche zum Aufbruch gedrängt, und bei strahlender Sonne zogen am Vormittag Trupps von Blässgänsen über die Rieselfelder nach Süden. Diese besonders hübsch gefärbten Gänse fallen schon von Ferne durch ihre Rufe auf, die wie helles Hundegebell klingen, und die man auch nachts leicht erkennen kann. Im Fernglas kann man die Altvögel an ihrer weißen Stirn und ihrer schwarzen Querfleckung am Bauch bestimmen. Sie fliegen meist im Familienverband zusammen mit ihren diesjährigen Jungen, denen beide Farbmerkmale noch fehlen.

 

Eines der schönsten Erlebnisse, die der Vogelzug bietet: überfliegende Kraniche. Foto: Albrecht

Ebenfalls in der berühmten, Energie sparenden Keilformation tauchten gegen Mittag auch die Kraniche auf, die am Morgen vermutlich von ihren Rastplätzen an der deutschen Ostseeküste oder an der Müritz aufgebrochen waren. Auch sie machen von weitem durch ihre Trompetenrufe auf sich aufmerksam. Im Gegensatz zu den Gänsen nutzen sie regelmäßig die Thermik z.B. über warmen, von der Sonne beschienenen Ackerflächen, um kreisend im Segelflug Höhe zu gewinnen und dann wieder zu Keilen formiert auf Strecke zu fliegen. Auch ihre hinten lang überstehenden Beine unterscheiden sie leicht von den Gänsen. Wie diese ziehen auch die Kraniche im Familienverband. Die Jungvögel kann man an ihren piepsenden Stimmen und bei guter Sicht an ihren einfarbig braungrauen Hälsen und Köpfen erkennen. Gelegentlich haben Kraniche in vergangenen Jahren auch in den Rieselfeldern gerastet – heute haben sie die guten Bedingungen aber zum Weiterflug genutzt.

 

Die Schnabelfarbe verrät diesen Singschwan als seltenen Gast aus dem hohen Norden. STELZERfoto

Dagegen haben sich in der Nacht zwei Singschwäne für einen Zwischenstopp in den Rieselfeldern entschieden. Mit ihrem leuchtend gelb-schwarz gefärbten keilförmigen Schnabel und dem gestreckten langen Hals unterscheiden sie sich bei näherer Betrachtung deutlich vom etwa gleich großen Höckerschwan. Sie badeten und putzten sich ausgiebig im großen Teich an der Niederheide und waren von der Straße aus hervorragend zu beobachten. Immer wieder gründelten sie im schwarzen Schlamm nach Nahrung. Als Charakterart der einsamen nordischen Seen sind die Singschwäne nicht an Menschen gewöhnt und sehr viel scheuer als Höckerschwäne. Sie sollten daher nur aus der Deckung heraus beobachtet werden, um sie nicht zu vertreiben.

 

 

Je nach Lichteinfall schimmern die Strukturfarben des Krickerpels mal grün, mal blau. Foto: B. Walter

Als weitere interessante Wintergäste unter den Entenvögeln waren rund 25 Krickenten und einige Schnatterenten zu beobachten. Die Erpel sind inzwischen alle wieder im Prachtkleid und gut zu erkennen, während die Weibchen auch in der Balzzeit ihr tarnfarbenes Gefieder beibehalten. Die kleinen Krickenten fallen durch ihren grünen Flügelspiegel auf, die Erpel auch durch ihren braunen Kopf mit grünem Augenstreif sowie einen cremefarbenen Unterschwanzfleck. Die Schnatterenten haben die Größe der Stockenten, die Erpel sind aber zartgrau mit schwarzem "Heck" und zeigen wie die Weibchen (die ansonsten den Stockenten zum Verwechseln ähneln) einen schwarz-weißen Flügelspiegel.

 

 

Weitere Entenarten sind in den nächsten Tagen zu erwarten. Dagegen ist der Watvogelzug weitgehend beendet, allerdings sind noch einige der langschnäbligen Bekassinen im Reservat, die bei offener Witterung sicherlich auch noch eine ganze Weile bleiben werden. Diese kleinen Schnepfen sind hervorragend getarnt und wagen sich nur wenig aus der Deckung, so dass sie nur mit einiger Geduld und einem guten Fernglas oder Spektiv z.B. vom Beobachtungsturm an der Biostation aus zu entdecken sind.