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Was raschelt(e) in den Wiesen?

 

Die Schmetterverse des Nachtigall-Grashüpfers begleiten den Sommerspaziergang entlang trockener Säume. Foto: Ingo Jürgens

Die Brutsaison der Vögel in den Rieselfeldern ist zu Ende, jetzt trumpfen die Insekten auf. Im warmen und trockenen Frühjahr und Sommer 2009 konnten sich verschiedene Verwandschaftsgruppen gut entwickeln: es gibt neben den Heuschrecken und Libellen nicht nur viele Stechimmen, sondern auch zahlreiche Schmetterlinge.

 

Die Heuschrecken zirpen nun bei schönem Wetter überall entlang des Rundweges. Mit einiger Übung kann man die meisten der 16 in den Rieselfeldern vorkommenden Heuschrecken-Arten an ihrem Gesang gut unterscheiden. Bloß ist der nicht so gut und weit hörbar wie die Vogelkonzerte, die im Laufe des Juli größtenteils zu Ende gingen.

 

Der Blütenstand des Großen Klappertopfs ist einfach oder verzweigt mit kreuz-gegenständigen Einzelblüten. Foto: Ingo Jürgens

Es gibt allerdings in den Rieselfeldern seit einigen Jahren einen weiteren eigenartigen „Instrumentalisten“: den Großen Klappertopf (Rhinanthus serotinus). Der Name ist Programm! Obwohl es sich um eine Pflanze handelt, die diesen seltsamen Namen trägt, macht auch sie durch Geräusche auf sich aufmerksam. Allerdings erinnert das Rascheln der Samen in ihren trockenen Kapseln bei Wind oder Berührungen eher an trockenes Laub als an einen klappernden Kochtopf.

 

Die einjährige, formenreiche Art aus der Familie der Rachenblütler (von einigen Botanikern wird sie auch in eine eigene Familie Sommerwurzgewächse ausgegliedert) hat eine interessante Biologie. Die „Blume des Jahres 2005“ ist ein Halbschmarotzer, der die Wasserleitbahnen verschiedener Blütenpflanzen mit speziellen Saugwurzelfortsätzen anzapft und daraus Wasser und Nährsalze entnimmt. Sie bildet aber auch noch selbst grüne Blätter aus und treibt Photosynthese. Die krautige Pflanze wird bis über einen halben Meter hoch. Ihre gelben „Lippenblüten“ haben enge Kronröhren mit blauvioletten Oberlippenzähnen und werden von Hummeln bestäubt. Sie sind von auffälligen bleichgelben Hochblättern eingefasst, die als Schauorgan Insekten anlocken. Die Samen entwickeln sich in Kapseln, die vom blasigen Kelch umhüllt sind und im trockenen Zustand zusammen mit diesem „Resonanzkörper“ den „Klappertopf“ bilden. Die reifen Samen werden durch den Wind oder durch Stöße ausgeschüttelt und verbreitet. Alte Namen wie Rassel, Wiesenklapper oder Totsauger verweisen ebenso auf die charakteristischen Eigenschaften wie auf die Tatsache, dass der Klappertopf über Jahrhunderte ein Kulturbegleiter des Menschen war.

 

Eindrucksvolle Bestände des Großen Klappertopfs prägen im Mai und Juni das Grünland unterhalb des nördlichen Aussichtsturmes. Foto: Ingo Jürgens

Der Klappertopf ist schwach giftig (vor allem Pferde reagieren empfindlich) und hat sogar früher gelegentlich zu Vergiftungen geführt, wenn das Brotgetreide mit Klappertopfsamen verunreinigt war (eine heute sehr seltene Unterart kommt bevorzugt auf mageren Ackerflächen vor). Das Kraut wurde früher gegen Parasiten, z.B. Läuse angewendet.

 

Wie viele Wiesenblumen ist der Klappertopf durch intensive Nutzung aus dem Wirtschaftsgrünland weitgehend verdrängt worden (insbes. durch häufigere Mahd, die durch Drainage, stärkere Düngung, leistungsfähigere Maschinen usw. ermöglicht wurde). Die Art ist in NRW und auch deutschlandweit gefährdet (Rote Liste Kategorie 3). Sie wurde in die Rieselfelder erst 2005 mit Saatgut aus dem Kreis Gütersloh eingebracht und hat sich seitdem rasant vermehrt: 2006 waren es ca. 200, 2007 über 2.000, 2008 über 10.000 und in diesem Jahr über 25.000 Exemplare. Damit dürften die Rieselfelder Windel einen der individuenreichsten Bestände in ganz Ostwestfalen beherbergen.

 

Die Pflanzen wachsen im Bereich der „Nordosterweiterung“, im Umfeld des nördlichen Aussichtsturms auf den nährstoffarmen, frischen bis feuchten Böden vor allem im Randbereich der Blänken. Gemieden werden die höher gelegenen trocken-sandigen Flächen, aber auch die Bereiche mit längeren winterlichen Überstauungen. Wichtig zum Erhalt der im Juni blühenden einjährigen Art ist eine späte erste Mahd nicht vor Mitte Juli, zu diesem Zeitpunkt haben in der Regel ausreichend viele Pflanzen die Saatreife erreicht.

 

 

 

 

 

 

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